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Das Kupferbeil des Mannes aus dem Eis

Das Kupferbeil

Der bedeutendste Ausrüstungsgegenstand des Mannes aus dem Eis ist das ca. 60 cm lange Beil aus Eibenholz, in dessen Knieholmschäftung die Beilklinge mit Birkenteer eingesetzt war. Der Schaft war mit Lederstreifen umwickelt. Die 9,5 cm lange Klinge ist aus fast reinem Kupfer. Die Schneide zeigt Gebrauchsspuren. Wie experimentelle archäologische Versuche zeigten, ist ein derartiges Beil zum Fällen von Bäumen vorzüglich geeignet. Das Beil konnte auch als Waffe eingesetzt werden. Außerdem galten kupferne Beilklingen um 3000 v. Chr. als Statussymbol. Dies könnte Ötzi als Anführer oder Krieger erscheinen lassen.

Kupfer

Kupfer zählt zusammen mit Gold zu den ersten Metallen, die vom Menschen verarbeitet wurden. Diese Tatsache hängt wohl auch damit zusammen, dass beide Metalle in gediegenem Zustand, also in reiner Form vorkommen. Allerdings ist dies nur selten der Fall.
Häufiger stößt man auf Kupfererze, aus denen Kupfer gewonnen werden kann. Ausgangspunkt für den Erzabbau waren der anatolische und kaukasische Raum, wo bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. Kupfererze verarbeitet wurden. Um 4000 v. Chr. verbreitet sich dieses Wissen über den Balkan und den mediterranen Raum nach Mitteleuropa. Insbesondere die Alpen waren in der Vorgeschichte für ihre Kupfererzlagerstätten  bekannt.

Kupfer ist ein relativ weiches Metall, das sehr gut formbar ist. Anfänglich formten und hämmerten die kupferzeitlichen Metallurgen gediegene Kupferklumpen in kaltem Zustand. Später erlernten sie die Aufbereitung von Kupfererz, den Schmelzvorgang und das Gussverfahren.
  

Unter die Lupe genommen: Ötzis Beil

Das Metall für die Beilklinge wurde aus Kupfererz verhüttet, anschließend durch Erhitzen verflüssigt und in eine zweiteilige Form gegossen. Es folgte keine Feinbearbeitung durch Kaltschmieden. Lediglich die Schneide zeigt eindeutige Gebrauchsspuren und wurde durch Dengeln nachgeschärft.
Der Holm, also der Stiel des Beiles, wurde aus dem Spaltholz einer Eibe geschnitzt und sorgfältig geglättet. Es wurde ein nahezu rechtwinklig aus dem Stamm gewachsener Ast verwendet. In der Schäftungskerbe ist die Beilklinge mit Birkenpech befestigt. Zusätzlichen Halt boten die um den Schaft gewickelten Lederstreifen.
Mit einer Nachbildung des Beiles dauert das Fällen eines Eibenstammes etwas mehr als eine halbe Stunde.
  

Statussymbol oder Alltagsgegenstand

In Mitteleuropa gehörte ein Kupferbeil in der Zeit um 3000 v. Chr. zur Ausstattung eines Mannes der oberen Gesellschaftsschicht. Das belegen Grabfunde aus dieser Epoche. Im Gräberfeld von Remedello di Sotto südwestlich vom Gardasee, waren beispielsweise nur 17 % der Beile, die als Beigaben in die Männergräber gelangten, mit einer Klinge aus Kupfer ausgestattet. Die kupfernen Beilklingen aus den dortigen Gräbern stimmen in Form und Größe mit jener des Kupferbeiles vom Mann aus dem Eis überein.
Archäologen vermuten, dass Beile mit einer Kupferklinge während der europäischen Kupferzeit als Rangabzeichen dienten und auf eine soziale Staffelung der Gesellschaft hindeuten. Ihren Besitzern galten sie als Repräsentationsobjekte. Eindeutige Gebrauchsspuren an der Schneide des Beiles vom Mann aus dem Eis belegen aber auch eine Verwendung als Werkzeug oder Waffe. Bildliche Darstellungen dieser Objekte finden sich auf den Figurenmenhiren.
  

Stein oder Metall

Silex und Felsgesteine bleiben in Mitteleuropa auch während der Kupferzeit gebräuchliche Rohstoffe zur Herstellung von Geräten und Waffen. Dementsprechend dienten steinerne Beilklingen als formale Vorbilder für die frühen Klingen aus Kupfer. Der Mann aus dem Eis ist ein gutes Beispiel für diese „nachbarschaftliche“ Verwendung von Stein und Metall als Rohmaterial. Neben dem Kupferbeil zählen ein Silexdolch und die Pfeile mit Silexspitzen zu seiner Ausrüstung. In seiner Gürteltasche fanden sich ein Klingenkratzer, ein Bohrer und ein Lamellenstück, also ein kleines Stück Klinge aus Silex. Die Pfeilspitze, die in der Schulter des Mannes steckte und zu seinem Tod führte, ist ebenfalls aus Silex hergestellt.